2. March 2020

Wohnen und Obdachlosigkeit

Die Zahlen der aktuellen „Integrierten Wohnungsnotfall-Berichterstattung 2018 in Nordrhein-Westfalen“ (veröffentlicht Juli 2019) sprechen eine deutliche Sprache. Die Zahl der wohnungs- und obdachlosen Menschen nahm bundes- und landesweit in den letzten Jahren rasant zu.
Waren in NRW im Jahr 2015 noch 20.996 Menschen als wohnungs- und obdachlos erfasst, so beläuft sich diese Zahl im Jahre 2018 auf 44 434 Menschen.

Zum Stichtag 30.06.2018 hatten 48,4% (2017: 37%) der erfassten erwachsenen wohnungslosen Menschen eine nichtdeutsche Staatsangehörigkeit. Einen Migrationshintergrund wiesen 55,3 % (2017: 44,5%) der Betroffenen auf.

Wurden in Köln im Jahr 2015 noch 4.683 wohnungs- und obdachlose Menschen erfasst, so belief sich deren Anzahl im Jahr 2018 auf 5987 Personen.

Anhand dieser Zahlen werden zwei grundlegende Entwicklungen besonders deutlich:

  1. Die rasante Zunahme von Wohnungs-und Obdachlosigkeit aufgrund zunehmend prekär werdender Verhältnisse und die Entwicklung eines zunehmenden desolaten Wohnungsmarkt.
  2. Die Anzahl der nichtdeutschen Wohnungslosen und der wohnungslosen Menschen mit Migrationshintergrund nimmt rapide zu. Auch im Bereich der Wohnungslosenhilfe zeigt sich deutlich, dass Deutschland ein Zuwanderungsland ist und Antworten auf die migrationsspezifischen Fragen und Problemlagen in allen gesellschaftlichen Bereichen gefunden werden müssen.

Neben den bisherigen Herausforderungen müssen sich die Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe diesen beiden gravierenden Entwicklungen stellen, ohne hierbei in der Regel ausreichend personell und finanziell ausgestattet zu sein.
Wohnungs- und Obdachlosigkeit haben strukturell bedingte Ursachen:
Nach unserer Erfahrung zeigen sich in der Entstehungsgeschichte von Obdachlosigkeit und den davon betroffenen Menschen folgende strukturelle Ursachen:

Arbeitslosigkeit aus sozialversicherungsplichtigen Beschäftigungsverhältnissen oder aus der Aufgabe einer selbstständigen Tätigkeit durch drohende oder existierende Insolvenz

  1. Verarmung und Verschuldung
  2. Probleme in der Partnerschaft und/oder Familie aufgrund der zunehmenden Verarmung und Verschuldung
  3. Trennung vom Lebens- oder Ehepartner*in und von den Kindern/Familie
  4. In der Folge das Auftreten psychischer Erkrankungen (Depressionen, Angstzustände etc.) und/oder von Suchterkrankungen
  5. Mietrückstände und der Verlust von Wohnraum

Diese in jeder Biographie von obdachlosen Menschen vorkommenden strukturellen Ursachen verursachen in Wechselwirkung innerhalb der sozialen und familiären Beziehungen ähnlich wie in „einem schnellen Brüter“ beschleunigte psychische, soziale und ökonomische Prozesse, denen der/die Einzelne und/oder der Familienverband nicht mehr gewachsen ist und letztendlich zur Verarmung, Überschuldung, Trennung, Krankheit und schließlich zur Wohnungs-und Obdachlosigkeit führt.

Die zunehmende Gentrifizierung und die skandalöse Preisentwicklung auf dem Wohnungsmarkt, – vor allem im großstädtischen Raum-, tragen zur Beschleunigung bei der Entstehung und bei der Verstetigung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit bei.

Mit diesen strukturbedingten Ursachen von Wohnungs- und Obdachlosigkeit gehen in der Regel individuelle, biographische Problemlagen und/oder Traumata einher, die die Vermeidung oder Lösung von schwierigen Problemlagen,- schon gar nicht ohne Hilfe und Unterstützung-, als möglich erscheinen lassen.

Obdachlosigkeit verhindern

KALZ e.V. hat sich mit Einrichtungen Vringstreff e.V., der Initiative Bauen Wohnen Arbeiten e.V. und seit 01.06 2016 dem Vingster Treff e.V. zu einem Freien Trägerbündnis Köln zusammengeschlossen. Aus diesem Zusammenhang ergibt sich eine enge fachliche Zusammenarbeit mit den Einrichtungen dieses Trägerbündnisses.

Vorstand und Geschäftsführung nehmen, neben anderen übergeordneten Gremien, im Rahmen des Aktionsprogrammes „Obdachlosigkeit verhindern – Weiterentwicklung der Hilfen in Wohnungsnotfällen“ an einem Facharbeitskreis des MAIS NRW sowie an der Stadtarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenpolitik der Stadt Köln teil und sind im regelmäßigen sach- und fachbezogenen Austausch mit der Sozialverwaltung und den Ansprechpartnern im kirchlichen, sozial- und arbeitsmarktpolitischen Raum.